Kommunikation: Geht es nicht auch ohne?

Kommunikation - geht es auch ohne?

Ich gebe zu, auch ich habe manchmal den dunklen Gedanken, dass ich gerade jetzt, genau in diesem Moment, lieber nicht kommunizieren möchte. Nicht gerade ideal für eine Führungskraft, die hauptberuflich Kommunikation macht.

Aber seien wir doch mal ganz offen, so unter uns. Sie denken doch auch schon mal, dass es doch auch ohne Kommunikation gehen müsste, oder? All die Laberrunden, in denen Sie sitzen. Die nervigen Gespräche, die zu nichts führen. Und die Mitarbeiterinformation, die Sie in Ihrem Bereich abhalten sollen? Dafür haben wir doch das Intranet, da brauchen wir doch nicht auch noch eine persönliche Ansprache.

Ich stimme Ihnen zu: Kommunikation in Unternehmen ist oft ineffizient und raubt viel zu viel Zeit! Und das nervt.

Nur: So wie ich es sehe, wird die Kommunikation mit Ihren Mitarbeitern in Zukunft noch wichtiger. Ohne geht es eben nicht.

Das Gute daran ist: Sie können es besser machen als bisher!

Auf Erwartungen eingehen

Egal, ob Sie ein Gespräch mit nur einem Mitarbeiter führen, in einem größeren Meeting sitzen oder tatsächlich eine Rede vor Mitarbeitern, Journalisten oder Kongressteilnehmern halten – Sie sollten sich bei Ihrer Vorbereitung an folgenden Fragen orientieren:

  • Was wollen Sie rüberbringen? (Ihre Botschaft)
  • Was wollen Ihre Gesprächspartner oder Zuhörer von Ihnen hören? (Erwartungen)
  • Wie bringen Sie diese beiden Punkte am besten zusammen?

Dabei können wir viel vom Marketing lernen oder den Mindset agiler Methoden übernehmen, indem wir uns auf die Bedürfnisse unserer Zuhörer konzentrieren. Letztlich sind Ihre Zuhörer in diesem Moment auch Ihre Kunden.

Bleiben wir mal bei meinem Lieblingsbeispiel, bei dem Sie Ihre neue Unternehmensstrategie erklären. Wie Sie dabei prägnant, klar und verständlich werden, habe ich in diesem Post beschrieben. Doch das ist erst der Anfang.

Nehmen wir mal an, Ihre Strategie ist auf Wachstum ausgerichtet. Sie selbst und vermutlich auch die meisten Ihrer Kollegen werden das super finden. Mit Recht: Ihr Produkt ist klasse, Sie sind besser als der Wettbewerb, Sie sehen den Erfolg.

Werden Sie konkret

Aber viele Ihrer Mitarbeiter werden sich Sorgen machen. Sie denken mehr darüber nach, was das konkret für ihren Arbeitsplatz bedeutet, ob sie für die neuen Aufgaben überhaupt ausreichend qualifiziert sind und sie in Zukunft mehr oder anders arbeiten müssen.

Ihre Kernbotschaft kann also nicht ausschließlich „Wir wollen wachsen“ sein, sondern Sie müssen auch etwas dazu sagen, was Sie konkret von Ihren Mitarbeitern erwarten, wie Sie gemeinsam mit ihnen den Weg gehen wollen und wie Sie ihre Mitarbeiter dabei unterstützen und fördern werden.

Es geht nicht darum, Dinge schönzureden. Bleiben Sie in Ihren Aussagen klar und authentisch und versprechen Sie nichts, was Sie nicht einlösen können oder wollen.

Machen Sie sich auch klar, dass Sie nur in den seltensten Fällen eine homogene Zielgruppe haben werden. Sie werden Mitarbeiter haben, denen es nicht schnell genug gehen kann und die sich auf jede neue Chance freuen. Und es werden Mitarbeiter dabei sein, denen schon der Wechsel in ein anderes Team oder selbst ein kleiner räumlicher Wechsel zu viel ist.

Nichts ist selbstverständlich

Nehmen Sie deshalb nichts für selbstverständlich. Ich habe einmal einen Veränderungsprozess begleitet, der die Verlagerung von Arbeitsplätzen von Deutschland nach Asien beinhaltete. Es wurden in Deutschland keine Stellen abgebaut, die Mitarbeiter bekamen neue Aufgaben. In dem betroffenen Werk in Deutschland haben wir kommuniziert wie die Weltmeister und konnten den Prozess gut und relativ reibungslos gestalten.

Für das Werk in Asien hatten wir nur eine sehr rudimentäre Kommunikation vorbereitet. Unsere Erwartung war, dass sich die Kollegen dort über die Stärkung ihres Standorts freuen würden. Doch das ging gründlich schief. Irgendwann rief mich der Standortleiter, ein Expat, an und berichtete von seinen Problemen. Die Stimmung war schlecht, die Produktivität sank, die Fehlerquote stieg.

Gemeinsam kamen wir schnell auf die Gründe. So mussten die Mitarbeiter zum Beispiel während der notwendigen Umbauphase in schlecht klimatisierten Räumen arbeiten – bei deutlich über 30 Grad und fast 100 Prozent Luftfeuchtigkeit. Dem Team fehlte zudem wegen des schnellen und starken Wachstums die Identität und der Zusammenhalt. Und sie wussten gar nicht um die Bedeutung, die sie für die Gesamtstrategie des Unternehmens hatten.

Platz für wirksame Kommunikation schaffen

Menschen müssen kommunizieren, um sich auszutauschen und einander verständlich zu machen. Ohne Kommunikation funktioniert es nicht. Ihr Ziel als Führungskraft muss also sein, Kommunikation so zielführend und effizient wie möglich zu gestalten – nicht nur für Sie selbst, sondern auch für Ihre Kommunikationspartner, seien es nun Mitarbeiter, Kunden oder andere Stakeholder. Ihre Erfolgsfaktoren dazu sind:

  • Sie sind sich klar über Ihre wichtigsten Botschaften
  • Sie können Ihre Botschaften kurz und verständlich rüberbringen
  • Sie wissen, was Ihre Gesprächspartner bewegt und was sie von Ihnen erwarten
  • Sie hören zu

Das heißt auch, dass Sie sich die berühmten Laberrunden, die nicht zu mehr taugen, als Teilhabe vorzutäuschen, getrost schenken können. Wenn Ihre Kommunikation, und damit auch Ihre Führung, wirksam und authentisch sein soll, fokussieren Sie sich. Suchen Sie das Gespräch. Reden Sie miteinander – und vor allen Dingen, hören Sie zu. Und schaffen Sie Platz für eben diese wirksame Kommunikation.