Modewort Narrativ: Was erzählen Sie denn so?

Der Begriff Narativ hat eine erstaunliche Karriere gemacht

Es war mein erster Tag im neuen Job. Ich hatte ein Meeting mit meinem neuen Chef und wir sprachen über die wichtigsten Aufgaben für die erste Zeit. Die Firma hatte ihr bislang größtes Veränderungsprogramm gestartet. Es gab eine neue Strategie, die kommuniziert werden wollte. Und noch eine ganze Reihe von dringenden Themen, die lange brach gelegen hatten. Ich war also auf allerhand gefasst. Aber mein Chef hatte anderes im Sinn. „Wissen Sie, Frau Lichtenberg, wir brauchen dringend eine neue Vision und Mission. Und ein Narrativ, das unseren Purpose erklärt.“

Wow! Was wollte er? Narrativ? Purpose? Ich hatte keinen Plan, was er damit meinte und ich hatte bis zu dem Zeitpunkt – das Ganze liegt schon einige Zeit zurück – noch nie darüber nachgedacht, dass ein Unternehmen ein Narrativ für seinen Purpose braucht. Zumindest hatten das nicht die Unternehmen, für die ich vorher gearbeitet hatte. Ich bin davon überzeugt, dass dort wirklich niemand über ein Narrativ nachgedacht hat – und auch nicht über einen Purpose.

Kein Tag ohne ein neues Narrativ

Nun gut, ich habe mich also schlau gemacht. Tatsächlich ist es gar nicht so einfach mit einer genauen Definition. Auf jeden Fall ist es seit einigen Jahren total hip und jeder quatscht über Narrative. Kein Tag, an dem nicht in der Politik gefordert wird, dass man „ein neues Narrativ“ brauche. Kein Kreativmeeting, bei dem nicht an einem Narrativ – wofür auch immer – rumgebastelt wird.

Die spannende Frage dabei ist: Was ist denn eigentlich so ein Narrativ und wie unterscheidet es sich von einer klassischen Story? Und was vielleicht noch wichtiger ist: Worauf sollten Sie sich konzentrieren, wenn Sie Narrative und/oder Storytelling für Ihr Business oder Ihre Karriere einsetzen wollen.

Fangen wir mit der ersten Frage an. Eigentlich ist narrativ ein – kleingeschriebenes – Adjektiv und heißt erzählend. Also kein Unterschied zu einer Geschichte bzw. Story.

Doch das ist natürlich nicht das, was heute damit gemeint ist. Der Begriff wurde aus der Wissenschaft kommend immer weiter aufgeblasen. Und irgendwann war das Narrativ nicht mehr nur irgendeine Erzählung, sondern eine sinnstiftende Herkunfts- oder Entwicklungsgeschichte, die es natürlich auch schon gegeben hat, bevor ihnen ein neues Etikett verpasst wurde.

Narrative und Stories gehören zusammen

Narrative und Stories sind also im heutigen Verständnis verwandt, aber sie sind nicht gleich. Eine Story hat typischerweise eine Handlung, es gibt Personen und noch einige weitere Zutaten. Zum Beispiel einen Konflikt und Transformation. Jede Story braucht ein bisschen Drama. Und nicht zu vergessen – eine Story hat eine Struktur, in der Regel eine Drei-Akt-Struktur mit einem Anfang, der Mitte und dem Ende.

Ein Narrativ hat nicht zwingend eine Struktur, es ist eine Abfolge von einzelnen Ereignissen. Ein Narrativ soll übergreifend sein, erklärend und einordnend. Ein Narrativ hält zusammen. Es verändert sich. Es wächst.

Es gibt große und berühmte Narrative. Martin Luther King hatte zum Beispiel das Narrativ, dass alle Menschen gleich geschaffen sind.

Ein Narrativ lebt von Beteiligung, d.h. wir können ein Teil des Narrativs werden. Auch das ist ein grundlegender Unterschied zu einer Story. Als Zuhörer erleben wir eine Story zwar emotional, aber wir haben keinen aktiven Part dabei.

Für mich ist ganz klar: Narrativ und Story brauchen einander. Gerade beim strategischen Storytelling braucht es Kontext. Ohne ein Narrativ ist eine Story im besten Fall unterhaltend oder nett.

Umgekehrt entfaltet ein Narrativ erst mit den richtigen Stories seine ganze Kraft. Sie brauchen Stories, um emotional und verständlich zu sein. Um bei dem Beispiel von Martin Luther King zu bleiben: Die Story zu seinem Narrativ begann mit „I have a dream“.

Kommen wir also zu der zweiten Frage: Sollten Sie sich auf Ihr Narrativ oder Ihre Stories konzentrieren, wenn es um Ihr Business oder Ihre Karriere geht?

Ihre authentischen Geschichten speisen sich aus Ihrem Narrativ. Wenn Sie mir schon länger folgen, wissen Sie, dass ich ein großer Fan von Simon Sinek bin. Ich glaube, dass sich unsere Narrative aus unserem Warum entwickeln sollten.  Das funktioniert sowohl für Sie persönlich als auch für Ihr Unternehmen. Und natürlich auch für jede Art von Leadership, Change, Transformation, Innovation oder sonstigen Projekten, die Sie voranbringen wollen.

Sie alle brauchen ein kraftvolles Narrativ, das noch mehr Kraft entfalten wird, wenn Sie es dann mit Ihren Stories untermauern.

Ob Sie nun über Ihr „Warum“ sprechen wollen, Sie über Ihren Purpose oder Ihr Narrativ nachdenken, es ist gar nicht so einfach, dies allein zu machen. Wenn Sie Klarheit darüber gewinnen wollen, was Sie wirklich ausmacht und antreibt und wie Sie dies in wirkungsvolle Geschichten übertragen können, dann kann ich Sie dabei unterstützen. Schreiben Sie mir eine kurze Nachricht und ich melde mich gerne bei Ihnen.